June 9, 2022

Fernüberwachung muss Teil des Versorgungssystems sein

Die Pandemie hat die Digitalisierung des Gesundheitswesens beschleunigt. Die Nutzung digitaler Gesundheitslösungen ebenso wie ihre Akzeptanz hat sich deutlich erhöht, unabhängig von der vorherigen Ausgangssituation. Dieses Momentum muss beibehalten werden - denn in der Digitalisierung liegt der Schlüssel zu einer langfristigen Finanzierung des Gesundheitswesens und zur Bewältigung der strukturellen Trends, die die Kostenentwicklung wesentlich vorantreiben.

June 9, 2022

Andreas Ringman Uggla

Chief Revenue Officer

Die Pandemie hat die Digitalisierung des Gesundheitswesens beschleunigt. Die Nutzung digitaler Gesundheitslösungen ebenso wie ihre Akzeptanz hat sich deutlich erhöht, unabhängig von der vorherigen Ausgangssituation. Dieses Momentum muss beibehalten werden – denn in der Digitalisierung liegt der Schlüssel zu einer langfristigen Finanzierung des Gesundheitswesens und zur Bewältigung der strukturellen Trends, die die Kostenentwicklung wesentlich vorantreiben.

Der Anteil der Gesundheitsausgaben gemessen am BIP hat sich in vielen europäischen Ländern innerhalb der letzten 50 Jahren verdoppelt  – Tendenz weiter steigend. Die Gesundheitsversorgung zählt zu den größten Ausgabenposten der Haushalte, unabhängig davon, ob sie kollektiv über Steuern oder als Beitrag zur Krankenversicherung finanziert wird. Um die breite Akzeptanz eines gemeinsam finanzierten Modells zu erhalten und die langfristige Finanzierung des Gesundheitswesens zu bewältigen, muss die Kostenkurve nach unten gehen. Ressourcen müssen effizienter genutzt und Technologien besser eingesetzt werden. Wir müssen mehr für mehr Menschen tun – ohne den Druck auf die Fachkräfte oder die damit verbundenen Kosten zu erhöhen.

In der westlichen Welt leidet etwa die Hälfte der Bevölkerung an einer chronischen Erkrankung, viele haben sogar zwei oder mehr Erkrankungen, mit denen sie tagtäglich leben. Die Versorgung dieser Menschen macht derzeit den größten Teil der Gesundheitskosten aus. Um diesem steigenden Bedarf zu begegnen, werden neue Konzepte und Tools benötigt, um die Belastung für das Gesundheitssystems zu verringern. In ihnen liegt der Schlüssel zur Eindämmung des Kostenanstiegs und einer langfristig gesicherten Finanzierung.

Wir sprechen heute viel über digital integrierte Prozesse, die ihren Ursprung in der Primärversorgung haben. Deren Entwicklung hat sich bei akuten und leicht akuten Erkrankungen rasch vollzogen. Die gleichen Anforderungen müssen nun auch für die  Versorgung chronischer Erkrankungen gelten. Bei der Entwicklung hin zu einer wohnortnahen Versorgung geht es um verbesserte Zugangsmöglichkeiten, mehr Kontinuität und damit einhergehend bessere Chancen auf ein qualitativ hochwertiges Leben. Derzeit werden verschiedene Lösungen, einschließlich der Fernüberwachung, getestet und in rasantem Tempo eingeführt. Doch wie sollte ein nachhaltiges, auf digitalen Technologien basierendes Management chronischer Erkrankungen aussehen? Ich möchte drei Elemente hervorheben:

  • Lösungen müssen menschenzentriert sein und von der Prämisse ausgehen, dass eine Person nicht ihre Diagnose ist, sondern ein Individuum, das von mehreren Erkrankungen betroffen sein kann. Eine Applikation für jede Krankheit, die dann mit mehreren verschiedenen Systemen interagieren muss, wird nicht funktionieren. Nicht aus Sicht der Patient:innen und auch nicht aus Sicht der Leistungserbringer.
  • Ganzheitliche Behandlung von Patient:innen. Der Schwerpunkt muss auf der Unterstützung ganzer Krankheitsverläufe und der Schaffung einer ganzheitlichen Patient:innen-Erfahrung liegen, auch bei chronischen Erkrankungen. Alle Komponenten, einschließlich Maßnahmen zur Gesundheitsförderung, müssen am selben Ort angesiedelt sein. Die Fernüberwachung muss als eine dieser Komponenten vorhanden sein, um eine intelligente und nachhaltige digital integrierte Versorgung zu schaffen. Und zwar als Teil des größeren Versorgungs-Ökosystems – nicht als Silo.
  • Skalierbarkeit. Ziel muss sein, dass verfügbare Technologien allen zugute kommen, die sie benötigen. Zudem muss eine Skalierung möglich sein. Viele kleine Initiativen führen zu nicht standardisierten und nicht skalierbaren Anwendungen. Das erschwert den grundlegenden Wandel, den wir brauchen.

Die Digitalisierung ist ein Infrastrukturthema und kann mit dem Bau eines Schienennetzes für Versorgungssysteme verglichen werden. Es braucht eine Plattform, auf der man aufbauen kann, und von der aus alle möglichen Versorgungsprozesse erreichbar sind. Auch die Fernüberwachung, die immer wichtiger wird, muss von Anfang an in diese Ökosystem-Lösung integriert werden. So können wir ein Modell für die Zukunft der intelligenten digitalen Gesundheitsversorgung schaffen und damit die Lösung für die Senkung der Kostenkurve und eine langfristigen Finanzierung von Gesundheitsversorgung.

                        
                            

Andreas Ringman Uggla

Andreas Ringman Uggla

Ein "Healthcare-Nerd", der seine Aufgabe liebt: eines der größten europäischen Gesundheitstechnologie-Unternehmen auf- und auszubauen.